Vom Winde verweht - Falsche Windklasse, kaputte Rollläden Schadensmanagement und Gutachten für einen Versicherungsschaden

(26. Mai. 2015 - Praxisbeispiel von Altunay - Bauexperts)
Beschädigter Schräg-Rollladen mit nicht mehr in der Führungsschiene verlaufenden Lamellen

Im unserem heutigen Praxisbeispiel geht es um einen versicherten Sturmschaden, bei dem Rollläden beschädigt wurden.

Der Versicherungsnehmer, der Eigentümer des Hauses, bat seine Versicherung um die Regulierung des Schadens. Diese beauftragte Bauexperts, ein Gutachten für den Versicherungsfall zu erstellen.

Beschreibung des Schadens und Schadenhergang

Bei den beschädigten Rollläden handelt es sich um elektrische Schräg-Rollläden, die Terrassenseits an einem Obergeschoss angebracht sind. Die Lamellen der Rollläden laufen nicht mehr in der Führungsschiene und sind teilweise verbogen bzw. beschädigt.

Nach Angaben des Versicherungsnehmers sollen die Rollläden aufgrund von starker Windlast (Sturm) beschädigt worden sein. Beim Schadenhergang waren die Rollläden nicht ganz geschlossen, sondern nur zu Schattierungszwecken teilweise runtergefahren.

Plausibilität des Schadens

Im vorliegenden Fall ist das Haus aufgrund der Hanglage mit freier Umgebungsbebauung stets höheren Windgeschwindigkeiten ausgesetzt. Bei hohen Windgeschwindigkeiten können bei Rollläden größere Zug- und Druckkräfte entstehen, die zum vorliegenden Schadensbild führen können. Da in diesem Fall die Rollläden nicht ganz runtergefahren waren, ist zu erwarten, dass es zu noch stärkeren Belastungen durch Windkräfte gekommen ist. Hinzu kommt, dass laut Messdaten des Deutschen Wetterdienstes zum Schadenszeitraum in der Region Windgeschwindigkeiten im Sturmbereich gemessen wurden. Der Schaden ist somit plausibel.

Besteht ein Regressanspruch an Dritte?

Für die Versicherung stellt sich die Frage, ob für den Schaden Regressansprüche an Dritte bestehen.

Bei der Begutachtung des Falls wurde festgestellt, dass die hier verwendeten Schräg-Rollläden der Windklasse 0 entsprechen, also besonders windempfindlich sind. Das Unternehmen, welches die Anlage montiert und installiert hatte, verwendete demnach Rollläden, die den örtlichen Anforderungen nicht gerecht sind, zumal entsprechend der Windlastzone und der Montagehöhe am Gebäude Rollläden hinsichtlich Ihrer Eignung unterschieden werden.

Das Unternehmen hätte Rollläden einer höheren Windklasse einsetzen müssen, die einer stärkeren Windlast standhalten. Denn die DIN EN 13659 Abschlüsse außen - Leistungs- und Sicherheitsanforderungen legt seit dem 01.03.2006 Anforderungen fest, die alle Markisenhersteller und Montagefirmen beachten müssen. Die Berücksichtigung dieser DIN Norm erfolgt nicht auf freiwilliger Basis, sondern ist aufgrund möglicher Unfallgefahren eine Pflicht.

Das Unternehmen als Händler und Montage/Installationsbetrieb darf demnach nur Produkte verkaufen und montieren, die CE-konform sind. Daher hätte dieses Produkt nicht montiert werden dürfen. Das Unternehmen hätte mit der Wahl geeigneter Rollläden den entstandenen Schaden verhindern bzw. minimieren können, zumal der Hersteller der Rollläden in seinen Produktdatenblättern ausdrücklich auf die Windklasse hinweist. In diesem Fall die Windklasse 0. Hinzu kommt, dass der Versicherungsnehmer von dem Montageunternehmen bezüglich unterschiedlicher Windwiderstandsklassen bei Rollläden nicht aufgeklärt wurde.

Für die Versicherung ergibt sich daraus, dass ein Regressanspruch gegenüber dem Unternehmen besteht, welches die Rollläden-Anlage montiert und installiert hat.

Von Winde verweht 2 – Keiner mag Fortsetzungen

Bei der Erstellung des Gutachtens wurde zudem festgestellt, dass der Versicherungsnehmer mit der Beseitigung der beschädigten Rollläden und der Montage der neuen Rollläden-Anlage nicht nur das gleiche Unternehmen beauftragt hat, sondern erneut baugleiche Rollläden zum Einsatz kommen sollen. Diese Rollläden sind aber wie schon erwähnt nicht geeignet. Hier müssten Rollladen verwendet werden, die mindestens die Klassifizierung „Windklasse 2“ erfüllen. Es ist zu erwarten, dass die vom Versicherungsnehmer in Auftrag gegebenen Rollläden demnächst wieder bei höheren Windgeschwindigkeiten kaputt gehen werden.

Daher haben wir der Versicherung empfohlen, mit dem Versicherungsnehmer einen Haftungsausschluss bezüglich der Rollläden zu vereinbaren.

Fazit

Bei der Montage und Installation der elektrischen Schräg-Rollläden wurden nicht geeignete Rollläden eingesetzt. Aufgrund der örtlichen und baulichen Gegebenheiten hätten Rollläden mit einer höheren Windwiderstandklasse zum Einsatz kommen müssen. Für den Schaden wird das Unternehmen haften müssen, welches die Rollläden letztendlich montiert hat. Die Auswahl (Wind-) geeigneter Rollläden ist für Montagefirmen nicht optional, sondern nach DIN EN 13561 verpflichtend.

Als Partner der Versicherungsgesellschaft bieten wir kompetente Regulierungsunterstützung sowie eine fallschließende Sachschadensbearbeitung. Sie können uns gerne kontaktieren.

Außenansicht beschädigter Schräg-Rollladen mit entfernten LamellenInnenansicht beschädigter Schräg-Rollladen rechtsInnenansicht beschädigter Schräg-Rollladen links

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